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Vieles, was heute als „alter Volksglaube" gilt, stammt aus dem Kino des 20. Jahrhunderts. Deshalb steht bei jedem Eintrag dabei, woher er wirklich kommt.
Wo die Gestalten auftreten, steht getrennt: in den Filmen des Genres und in den Geschichten zum Vorlesen.
Gestalten
Banshee — Weiblicher Todesgeist aus der irischen und schottischen Überlieferung. Ihr Klagen kündigt einen Todesfall in der Familie an; sie verursacht ihn nicht. Der Name kommt vom irischen bean sídhe, „Frau aus dem Feenhügel".
Dullahan — Kopfloser Reiter der irischen Sage, der seinen Kopf unter dem Arm trägt. Wo er anhält, stirbt jemand. Eine der wenigen Gestalten, die tatsächlich mit Samhain in Verbindung gebracht wird.
Geist — Sammelbegriff für die Erscheinung Verstorbener. In der Halloween-Tradition der Kern des Ganzen: Die Nacht galt als der Zeitpunkt, an dem die Grenze zwischen den Welten durchlässig ist.
Hexe — Historisch eine Zuschreibung, keine Selbstbezeichnung: In den europäischen Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit wurden vor allem Frauen als Hexen angeklagt und hingerichtet. Der spitze Hut, der grüne Teint und der Besen sind dagegen jung — sie stammen aus Illustrationen und Filmen des 19. und 20. Jahrhunderts. In Deutschland ist die Figur ohnehin eher mit der Walpurgisnacht verbunden als mit Halloween.
Jack O'Lantern — Namensgeber der Kürbislaterne, aus einer irischen Erzählung: ein Mann, der weder in den Himmel noch in die Hölle kam. Die ganze Geschichte unter Jack O'Lantern.
Mumie — Als Halloween-Figur eine Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts. Der Zusammenhang mit Ägypten entstand nach der Entdeckung des Tutanchamun-Grabes 1922 und dem Filmboom, der darauf folgte.
Schwarze Katze — Der Aberglaube, sie bringe Unglück, ist mittelalterlich und europäisch. In Teilen Großbritanniens und Japans gilt sie umgekehrt als Glücksbringer. Was stimmt: Schwarze Katzen werden in Tierheimen bis heute seltener vermittelt.
Skelett und Sensenmann — Der Tod als Skelett mit Sense ist eine Bildidee des späten Mittelalters, entstanden in der Zeit der großen Pestwellen. Die Totentänze der Zeit zeigen ihn als Figur, die alle Stände gleichermaßen holt.
Vampir — Der Volksglaube an Wiedergänger ist in Südosteuropa gut belegt und war im 18. Jahrhundert Gegenstand behördlicher Untersuchungen. Die heutige Figur — Umhang, Adelstitel, Angst vor Knoblauch und Kreuz — geht auf Bram Stokers Dracula (1897) und dessen Verfilmungen zurück.
Werwolf — Verwandlungssagen gibt es in ganz Europa, seit der Antike. Der Vollmond als Auslöser und die Silberkugel als einzige Waffe stammen dagegen aus Hollywood-Filmen der 1930er und 1940er Jahre.
Zombie — Die Wurzel liegt im haitianischen Vodou, wo ein Zombi ein willenloser Wiedererweckter ist. Der fleischfressende Untote in der Gruppe ist eine Erfindung des Kinos ab 1968.
Begriffe
Allerheiligen — Christliches Fest am 1. November, im 8. Jahrhundert auf dieses Datum gelegt. Halloween ist sein Vorabend und hat davon seinen Namen.
Allerseelen — 2. November, Gedenktag für alle Verstorbenen. Von hier stammt das Souling, der Vorläufer von Süßes oder Saures.
Geisterstunde — Die Zeit zwischen Mitternacht und ein Uhr. Der Begriff ist deutsch und lässt sich literarisch bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.
Guising — Schottischer Brauch: Kinder ziehen verkleidet umher und müssen etwas vortragen, bevor sie etwas bekommen. Der direkte Vorläufer des heutigen Türspruchs.
Halloween — Verkürzung von All Hallows' Eve, „Vorabend aller Heiligen".
Rübengeistern — Süddeutscher und Schweizer Brauch: ausgehöhlte Rüben mit Kerzen. Genau das, was irische Auswanderer nach Amerika mitnahmen — dort wurde der Kürbis daraus.
Samhain — Keltisches Fest zum Ende der Erntezeit, gesprochen etwa „sau-in". Der Ursprung des Termins. Ausführlich auf der eigenen Seite zum Fest, im größeren Zusammenhang unter Woher Halloween kommt.
Souling — Mittelalterlicher Brauch: Arme boten an Allerseelen Gebete für Verstorbene an und erhielten dafür Gebäck, die soul cakes.
Trick or Treat — Englisch für „Streich oder Leckerei", auf Deutsch als „Süßes oder Saures" eingebürgert. In dieser Formulierung erst seit den 1920er/30er Jahren belegt.
Woran man erkennt, dass etwas aus dem Kino stammt
Drei Merkmale tauchen fast immer zusammen auf, wenn ein „alter Brauch" in Wahrheit jung ist: eine feste Regel (Silberkugel, Vollmond, Einladung über die Schwelle), eine einheitliche Optik über ganz Europa hinweg, und keine Belege vor 1900.
Echte Überlieferung ist unordentlicher: regional verschieden, widersprüchlich und selten mit klaren Regeln. Die Banshee kündigt an, wirkt aber nicht; der Werwolf verwandelt sich in ganz Europa aus unterschiedlichen Gründen. Erst das Kino brauchte eindeutige Spielregeln — weil eine Geschichte sonst nicht funktioniert.
Häufige Fragen
Was ist eine Banshee?
Ein weiblicher Todesgeist aus der irischen und schottischen Überlieferung. Ihr Klagen kündigt einen Todesfall an, verursacht ihn aber nicht.
Woher kommt der Vollmond beim Werwolf?
Aus Hollywood-Filmen der 1930er und 1940er Jahre. In den älteren europäischen Verwandlungssagen spielt der Mond keine feste Rolle.
Sind schwarze Katzen wirklich Unglücksbringer?
Der Aberglaube ist mittelalterlich und europäisch; in Großbritannien und Japan gilt teilweise das Gegenteil. Belegbar ist nur, dass schwarze Katzen in Tierheimen seltener vermittelt werden.
Was bedeutet Samhain?
Irisch für „Sommerende". Das keltische Fest markierte das Ende der Erntezeit und den Beginn der dunklen Jahreshälfte — der Ursprung des Halloween-Termins.
Woher stammt die Figur des Vampirs?
Der Volksglaube an Wiedergänger ist in Südosteuropa belegt. Umhang, Adelstitel und die Abwehr durch Knoblauch und Kreuz stammen aus Bram Stokers Dracula von 1897 und dessen Verfilmungen.
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