HalloweenTotal
Deutsche Wohnstraße am Halloween-Abend mit Kürbissen auf den Fensterbänken und Kindern an der Haustür

Halloween in Deutschland

Halloween gilt in Deutschland als Import. Das stimmt für die heutige Form – und übersieht, dass ausgehöhlte Rüben mit Kerzen hier schon lange vorher üblich waren.

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Halloween kam in den 1990er Jahren nach Deutschland — und traf auf einen Boden, der besser vorbereitet war, als die Debatte darüber vermuten lässt.

Der Wendepunkt 1991

Als Auslöser gilt allgemein das Jahr 1991. Wegen des Zweiten Golfkriegs wurden zahlreiche Karnevalsveranstaltungen abgesagt. Für die Kostüm-, Party- und Süßwarenbranche fiel damit ein ganzes Geschäftsjahr weg — und Halloween bot sich als Ersatzanlass an: ein Verkleidungsfest ohne regionale Bindung, mit fertigem Sortiment aus den USA und ohne Vereinsstrukturen, die man erst überzeugen müsste.

Von dort verbreitete es sich über Handel, Gastronomie und Kindergärten. Fernsehen und Werbung taten den Rest.

Was es hier schon gab

Der Gedanke „das haben wir uns aus Amerika geholt" stimmt für Kürbis, Kostüm und Süßigkeitensammeln. Er übersieht das Rübengeistern.

In Teilen Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz werden seit Generationen Runkelrüben ausgehöhlt, mit Gesichtern versehen und mit einer Kerze bestückt — je nach Region unter Namen wie Rübengeist, Räbenlicht oder Turnip Lantern. Genau das ist der Brauch, den irische Auswanderer nach Nordamerika mitnahmen und aus dem dort die Kürbislaterne wurde.

Der Kürbis ist also kein fremder Brauch, sondern derselbe Brauch nach einem Umweg über den Atlantik — nur mit besserem Gemüse.

Dazu kommen weitere Bräuche in derselben Jahreszeit: das Martinssingen und Laternenlaufen am 11. November, in einigen Regionen das Sammeln von Gaben durch Kinder an Allerseelen. Halloween traf auf ein bestehendes Muster, es erfand es nicht. Zwischen Halloween und dem Laternenfest zwei Wochen später liegt in vielen Familien dieselbe Bastelschachtel.

Wie verbreitet ist es heute?

Belastbare, aktuelle Zahlen zur Verbreitung sind rar, und die kursierenden Prozentwerte stammen aus unterschiedlichen Erhebungen mit unterschiedlichen Fragestellungen — deshalb steht hier keine. Was sich beobachten lässt:

Die Kritik

Sie begleitet das Fest seit dreißig Jahren und lässt sich auf drei Punkte eindampfen:

„Kommerz." Zutreffend — Halloween in seiner heutigen Form wurde vom Handel eingeführt. Gilt allerdings für Valentinstag und in Teilen auch für Weihnachten. Wer den Anlass hinter dem Datum sucht, findet ihn ohnehin nicht im Handel, sondern im Kirchenkalender.

„Kulturfremd." Hier lohnt der Blick auf das Rübengeistern: Der Kern ist älter und europäisch, die Verpackung amerikanisch. Was hier gefeiert wird, ist eine Rückwanderung aus seiner amerikanischen Form — nicht deren Kopie.

„Unvereinbar mit Allerheiligen." Der ernsthafteste Einwand, vor allem in katholisch geprägten Gegenden — dazu ausführlich unter Allerheiligen und Halloween.

Was den Unterschied macht, ob es funktioniert

Nicht die Region, sondern die Dichte. Halloween lebt davon, dass in einer Straße genug Haushalte mitmachen — sonst laufen Kinder zwanzig Minuten für zwei Bonbons und haben beim nächsten Mal keine Lust mehr.

Deshalb die praktischen Regeln, die sich überall durchgesetzt haben: Deko am Eingang heißt „wir machen mit", dunkle Fenster heißen nein. Wer will, dass es in der eigenen Straße stattfindet, stellt einen leuchtenden Kürbis raus. Das ist die ganze Verabredung.

Häufige Fragen

Seit wann feiert man Halloween in Deutschland?

Seit den 1990er Jahren. Als Wendepunkt gilt 1991, als wegen des Golfkriegs viele Karnevalsveranstaltungen ausfielen und die Kostümbranche einen Ersatzanlass suchte.

Ist Halloween in Deutschland ein amerikanischer Import?

In seiner heutigen Form ja. Der Kern ist allerdings europäisch: Das Rübengeistern mit ausgehöhlten Rüben und Kerzen ist in Süddeutschland und der Schweiz deutlich älter.

Wird Halloween überall in Deutschland gefeiert?

Sehr unterschiedlich, und weniger nach Region als nach Nachbarschaft. Entscheidend ist, wie viele Haushalte in einer Straße mitmachen.

Hat Halloween den Karneval verdrängt?

Nein. Die Befürchtung gab es 1991, bestätigt hat sie sich nicht — beide Feste bestehen nebeneinander.

Was ist Rübengeistern?

Ein süddeutscher und schweizerischer Brauch: ausgehöhlte Runkelrüben mit Gesichtern und Kerzen. Genau daraus entstand in Nordamerika die Kürbislaterne — siehe Jack O'Lantern.