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Die kurze Antwort: Halloween geht auf das keltische Samhain zurück, wurde über das christliche Allerheiligen in den Kalender gefasst, und bekam seine heutige Form — Kürbis, Kostüme, Süßes oder Saures — erst im Amerika des 19. und 20. Jahrhunderts. Nach Deutschland kam es in den 1990er Jahren zurück.
Schicht 1: Samhain
Die Kelten teilten das Jahr in eine helle und eine dunkle Hälfte. Samhain (gesprochen etwa „sau-in", irisch für „Sommerende") markierte den Übergang: Ernte vorbei, Vieh von den Weiden geholt, Winter voraus. Der Zeitpunkt lag ungefähr in der Mitte zwischen Herbst-Tagundnachtgleiche und Wintersonnenwende, also Ende Oktober bis Anfang November.
Überliefert ist die Vorstellung, dass in dieser Nacht die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Anderswelt durchlässig war. Feuer wurden entzündet, Gaben bereitgestellt. Vieles von dem, was heute über Samhain zu lesen ist, stammt allerdings aus deutlich späteren Quellen — die Kelten selbst haben nichts Schriftliches hinterlassen, die frühesten Berichte sind mittelalterliche irische Handschriften. Was über Samhain gesichert ist und was nicht, steht dort Zeile für Zeile nebeneinander.
Schicht 2: Allerheiligen und der Name
Im 8. Jahrhundert legte Papst Gregor III. das Fest Allerheiligen auf den 1. November. Der Abend davor hieß im Englischen All Hallows' Eve — „Vorabend aller Heiligen". Daraus wurde über Jahrhunderte durch Verkürzung Halloween.
Ob die Kirche das Datum bewusst auf ein bestehendes heidnisches Fest legte oder ob es sich unabhängig entwickelte, ist unter Historikern umstritten. Sicher ist die Namensherkunft — und dass in Irland und Schottland christliche und ältere Bräuche nebeneinander weiterliefen. Wie sich Allerheiligen und Halloween heute zueinander verhalten — stiller Feiertag und Kostümparty am selben Wochenende —, steht auf einer eigenen Seite.
Aus dieser Zeit stammt auch der Vorläufer von Süßes oder Saures: das Souling. Arme zogen an Allerseelen von Tür zu Tür und boten Gebete für die Verstorbenen an, im Austausch gegen kleine Gebäckstücke, die soul cakes.
Schicht 3: Amerika
Mit der großen irischen Auswanderung im 19. Jahrhundert — Hunderttausende verließen Irland während der Hungersnot ab 1845 — kamen die Bräuche in die USA. Dort veränderten sie sich schnell:
| Was sich änderte | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Die Laterne | ausgehöhlte Rüben und Steckrüben | Kürbis — in Amerika größer, billiger, leichter zu schnitzen |
| Der Türbrauch | Gebete gegen Gebäck (Souling) | Süßigkeiten gegen den Verzicht auf Streiche |
| Der Anlass | Totengedenken | Nachbarschaftsfest, ab den 1950ern stark auf Kinder ausgerichtet |
Die Kommerzialisierung setzte in den 1930er und 1940er Jahren ein, als Kostüme und Süßwaren erstmals industriell für den Anlass produziert wurden. Halloween, wie wir es kennen, ist also ein amerikanisches Fest mit irischen Wurzeln — nicht umgekehrt.
Jack O'Lantern
Der Name der Kürbislaterne kommt aus einer irischen Erzählung: Ein Mann namens Jack überlistet den Teufel, wird nach seinem Tod weder im Himmel noch in der Hölle aufgenommen und wandert seither mit einer glühenden Kohle in einer ausgehöhlten Rübe umher — Jack of the Lantern.
Dass daraus ein Kürbis wurde, ist reine Verfügbarkeit: In Nordamerika wuchs der Kürbis im Überfluss, in Irland nicht.
Halloween in Deutschland
Bis in die 1990er Jahre war Halloween in Deutschland praktisch unbekannt. Der Durchbruch wird meist auf 1991 datiert: In jenem Jahr fielen wegen des Zweiten Golfkriegs zahlreiche Karnevalsveranstaltungen aus, und die Fach- und Kostümbranche suchte einen Ersatzanlass. Halloween bot sich an — ein Verkleidungsfest ohne regionale Bindung, mit fertigem Sortiment aus den USA.
Seither hat sich das Fest vor allem bei Kindern und in der Gastronomie etabliert, ohne Karneval oder Fasching zu verdrängen. Regional ist die Verbreitung sehr unterschiedlich; gleichzeitig bestehen ältere deutsche Bräuche zur selben Zeit fort — etwa das Rübengeistern in Teilen Süddeutschlands und der Schweiz, bei dem seit Generationen ausgehöhlte Rüben mit Kerzen bestückt werden. Der irische Ursprungsbrauch war hier also längst vorhanden, bevor der Kürbis kam.
Drei verbreitete Irrtümer
- „Halloween ist ein amerikanisches Fest." Halb richtig. Die heutige Form ist amerikanisch, die Wurzeln sind irisch-keltisch und christlich.
- „Die Kelten haben Kürbisse geschnitzt." Nein — Kürbisse stammen aus Amerika. In Irland waren es Rüben.
- „Süßes oder Saures ist eine Erfindung der Süßwarenindustrie." Der Brauch ist älter (Souling), die Industrie hat ihn aufgegriffen und verstärkt.
Häufige Fragen
Woher kommt Halloween ursprünglich?
Aus dem keltischen Samhain in Irland und Schottland, dem Fest zum Ende der Erntezeit. Über das christliche Allerheiligen bekam es Datum und Namen, seine heutige Form entstand in den USA. Woher es kommt, erklärt allerdings noch nicht, warum es heute noch gefeiert wird.
Was bedeutet der Name Halloween?
Er ist die Verkürzung von All Hallows' Eve, dem Vorabend von Allerheiligen am 1. November.
Warum schnitzt man an Halloween Kürbisse?
Der Brauch stammt aus Irland, wo Rüben ausgehöhlt wurden. Irische Auswanderer fanden in Nordamerika den Kürbis vor — größer, weicher und leichter zu bearbeiten.
Seit wann feiert man Halloween in Deutschland?
Seit den 1990er Jahren. Als Wendepunkt gilt 1991, als wegen des Golfkriegs viele Karnevalsveranstaltungen abgesagt wurden und die Kostümbranche einen Ersatzanlass suchte.
Ist Halloween ein christliches oder ein heidnisches Fest?
Beides hat Anteil daran. Der Termin und der Name stammen aus dem christlichen Kalender, ältere Bräuche zum selben Zeitpunkt aus vorchristlicher Zeit. Die heutige Ausprägung ist überwiegend säkular.
